
Jede Gitarre, die Sie je gehört haben – Flamenco, Klassik, selbst die Akustikgitarre auf einer Popaufnahme – verdankt einem stillen Andalusier namens Antonio de Torres eine Menge. Er arbeitete Mitte des 19. Jahrhunderts in Almería und Sevilla und klärte die Konstruktionsfragen, über die alle anderen noch stritten.
Sein Durchbruch lag im Inneren des Instruments. Torres fächerte die dünnen Holzleisten unter der Decke auf und vergrößerte den Korpus – dadurch konnte die Decke freier schwingen, und die Gitarre gewann weit mehr Volumen, Wärme und Ausgewogenheit als alles, was es zuvor gegeben hatte. Er bewies es sogar, indem er eine Gitarre mit Zargen aus Pappmaché baute – und sie sang trotzdem.
Er standardisierte die Mensur und die Proportionen, die Gitarrenbauer bis heute verwenden. Greift man zu einer modernen Konzertgitarre, hält man im Wesentlichen eine Torres in den Händen. Die großen Meister, die ihm folgten, verfeinerten seine Idee; fast keiner von ihnen ersetzte sie.
Es ist eine durch und durch andalusische Geschichte: kein großes Aufsehen, kein Vermögen – Torres starb arm –, nur ein Handwerker, der still ein Instrument perfektionierte, bis die ganze Welt es übernahm, ohne seinen Namen wirklich zu kennen.