
Bevor es spanischen Pop gab, gab es die Copla. Sie erblühte von den 1920er-Jahren bis zur Jahrhundertmitte und packte ganze Romane in drei Minuten: betrogene, aber ungebeugte Frauen, verbotene Lieben, Kleinstadtskandale – alles vorgetragen mit der Dramatik eines Stierkampfs und der Melodie eines Wiegenlieds.
Ihre Stars waren Namen, die jeder kannte – Concha Piquer, Juanita Reina, Imperio Argentina – und ihre Lieder, wie <i>Ojos verdes</i> oder <i>La bien pagá</i>, stammten von einem legendären Komponistenteam, das Andalusien sein eigenes Great American Songbook schenkte.
Sie hatte ein bewegtes Leben. Während der Franco-Jahre wurde die Copla vereinnahmt und ausgiebig gesendet, später von manchen als altmodischer Kitsch abgetan – bis eine neue Generation von Sängerinnen und Interpreten sie wegen ihrer schieren emotionalen Kraft und ihrer trotzigen Frauenfiguren wiederentdeckte.
Hört man heute hinein, wirkt sie erstaunlich modern: gesungene Geschichten über Verlangen und Würde, in einer Stimme, die sich für nichts entschuldigt. Die Arrangements mögen von gestern sein, die Gefühle sind es nie.